
Wenn Fourcès erzählen könnte...

Das gaskonische Wehrdorf (Bastide oder nach Auffassung einiger eminenter Experten wahrscheinlicher Castelnau) mit der befestigten Umwallung, liegt FOURCÈS im Département Gers auf einer Höhe von 88 m ü.d.M., und zwar im Kanton MONTRÉAL-DU-GERS, 12 km von der Unterpräfektur von CONDOM entfernt. Dieses mittelalterliche Dorf verdankt seine Originalität der kreisrunden Anlage. Seine Geschichte und seine Architektur stellen ein Schmuckstück für die Landschaft des ARMAGNAC dar.
Gegen
Ende des ersten Jahrtausends war die Herrschaft von Fourcès eine der
bedeutendsten in der Gascogne.
Damals stand der herrschaftliche Sitz auf dem heutigen
zentralen Platz von Fourcès (Schloßgebiet mit Wehrgräben oder
Castellum), und das gesamte vom Schloß abhängige Territorium bildete
eine einheitliche Herrschaft mit eigenen militärischen, fiskalischen, Lehens-
und Bodenrechten sowie einer selbständigen Gerichtsbarkeit. Eine Charta
von 1068 bestätigt die Existenz dieses befestigten Platzes in einem der
Mäander des Flüßchens Auzoue.
Kurz
vor dem Jahre 1020, als für das Fürstentum der Gascogne - aufgrund
der Begehrlichkeit von Seiten des mächtigen Aquitanien - eine äußerst
schwierige Zeit begann, erhebt Brigitte de
Fourcès,
die Gemahlin des einflußreichen Herrn Guillaume de Fourcès und
Enkelin des HerzogsGuillaume de Gascogne, ihre Stimme. Diese couragierte Fürstin
spornt ihren Gemahl und ihren Sohn an, die Souveränität der Gascogne
zu verteidigen.
Brigitte
und ihre Familie bilden die Seele des gaskonischen Widerstands gegenüber
den Fürsten Aquitaniens und deren Versuche, die Gascogne zu annektieren,
was ihnen in der blutigen Schlacht von La Castelle" im Jahre 1064
schließlich gelingt. Als Vergeltungsmaßnahme muß Bernard de
Fourcès, der Sohn von Guillaume und Brigitte, zugunsten des Herzogs von
Aquitanien auf seinen Titel als Graf der Gascogne verzichten, die Mönchskutte
der Benediktiner von Cluny anziehen und fortan mit den Seinen das Leben in Saint-Mont
fristen.
Einhundert Jahre später wird die Gascogne englisch, als nämlich Henri II Plantagenet, der Herzog von Aquitanien, die Krone Englands erwirbt. 1279 gelangt durch den Vertrag von Amiens das Agenais (und Fourcès) an die Engländer.
Der
englische König Eduard II., der sich mit Karl dem Schönen im Kriegszustand
befindet, vergleicht sich 1324 mit den Herren von Fourcès und verleibt
diese Herrschaft seiner Krone ein, indem er ihr Privilegien zugesteht. Das Agenais
und Fourcès gelangen nach dem Krieg von Saint Sardos an Frankreich zurück.
Aber als Grenzstadt" zwischen Aquitanien und Armagnac wechselt Fourcès
im Hundertjährigen Krieg mehrfach seinen Besitzer. So nimmt Bertrand de
Fourcès an der Seite König Eduards III. von England an den Kämpfen
gegen die aufrührerischen Schotten teil.
1352 sieht man Guillaume und Jourdain de Fourcès mit dem König Frankreichs
Krieg führen. Den Konnetabel DUGESCLIN begleitet 1378 Thomelin de Fourcès
auf der Expedition nach Spanien.
Am 13. Mai 1488 verfügt Karl VII., König von Frankreich, den Abriß des Schlosses von Fourcès wegen Verbrechen und Bruch der Lehenstreue". Weil es von seinem angestammten Platz im Zentrum des Dorfes verschwunden war, unternimmt 1491 ein anderer Bertrand de Fourcès den Wiederaufbau des Schlosses an seinem derzeitigen Standort.
Eine
andere Seite der Geschichte...
oder
Erinnerungen an die RÉSISTANCE
Wir sind im Jahre 1942, dem für das durch die deutschen Armeen besetzten Frankreich zweiten schwarzen Jahr des schmutzigen Krieges".
In Fourcès lebt man mit den Zuteilungskarten
so gut es geht und hofft mit den Meldungen aus dem inzwischen auf die ganze
Welt ausgeweiteten Krieg auf ein baldiges Ende. Im November desselben Jahres
treten einige Männer aus Fourcès der aktiven Résistance bei.
Ihr Treff wird die Küche von Alice und Joseph DARROUX in deren Café-Kolonialwarenhandel-Schmiede.
Dort geben sich mit Alice und Joseph ein paar verläßliche Freunde
ein Stelldichein: Eloi CASTAY, Danton FILHOL, SAINTE FAUSTE und BACQUIE, der
Dorfschullehrer. Sie finden wenig später Zulauf durch die beiden jungen
Leute aus Fourcès, Yvan DUPEYRON und Paul PAILHES.
Auf dem Gelände eines vom Dorf abgelegenen
Gutes der Familie LABADIE, den man Lacave" nennt, haben sie sich
ein für Fallschirmoperationen geeignetes Terrain ausgesucht, das im Bedarfsfall
Landungen zuläßt. In der Tat hat diese couragierte gaskonische Bauernfamilie
während der ganzen deutschen Besatzung und trotz des Risikos heimlich englische
und selbst polnische Flieger, Waffen und Munition geborgen.
Der erste Fallschirmabsprung fand im Juni 1943 in Fourcès statt (Nachricht
über BBC London: Der rote Kochtopf steht auf dem Tisch"). Bis
zur BEFREIUNG folgten noch viele weitere. Eines Nachts schien einer dieser Absprünge
zum Verhängnis zu werden. Das Flugzeug flog zu niedrig, berührte die
Wipfel der Pinien und stürzte ab. Zum Glück konnten die 15 Behältnisse
mit Waffen und Material durch die Widerstandskämpfer und die sieben geretteten
Flieger geborgen werden, die dann bei den LABADIES sowie auf dem Boden des Cafés
von Alice und Joseph DARROUX gepflegt und versteckt wurden.
Trotz der deutschen Suchtrupps, die unseren Freunden vom Widerstand anfangs
den kalten Schweiß auf die Stirn treiben, können die sieben Flieger
nach Spanien und von da nach London gelangen.
Im November 1943 findet man in einem abgeworfenen Container die Nachricht mit
dem Dank an die Familie LABADIE und ...einem Küßchen für
Alice". Am 3. Januar 1944 bringt man 15 Widerstandskämpfer, die
aus dem Gefängnis von Eysses ausgebrochen sind, in Sträflingskleidung
und verbirgt sie auf dem Gehöft der LABADIE bis zu ihrer weiteren Flucht
durch die Pyrenäen bis nach Spanien.
Die Gruppe strukturiert sich im Maquis des Gers
und wird durch den englischen Kommandanten HILAIRE", der aus London
kommt, geführt. Er zeigt eine Vorliebe für den tourin blanchi"
in der Küche hinter dem Café von Alice Darroux (dabei handelt es
sich um eine spezielle Knoblauchsuppe, die in der Gascogne gegessen wird).
Im Verlaufe dieser heroischen Epoche erleben die Widerstandskämpfer aus
Fourcès noch viele Schicksalswechsel und Tragödien, besonders am
21. Juni 1944, als eine deutsche Kolonne das Standquartier der Untergrundkämpfer
in Castelnau-sur-Auvignon angreift und wo elf Maquisards und drei Zivilisten
getötet werden.
Erweisen wir diesen Freiheitskämpfern und Alice, die heute nicht mehr ist, unsere Ehrerbietung. Auf wenigen Seiten hat sie uns dieses Zeugnis hinterlassen, damit, wie es dort heißt, nicht das Vergessen einen Schleier über diesen Zeitabschnitt breitet, als unser Leben unter außergewöhnlichen Bedingungen verlief, und daß meine Kinder und Enkel dann und wann davon sprechen, wenn sie sich an Alice erinnern."
Alice Darroux ist am 6. Januar 1997
im Alter von 92 Jahren in Fourcès gestorben.
Diese wenigen Auszüge wurden mit Genehmigung der Familie Darroux ihren
Erinnerungen an die Résistance in Fourcès" entnommen.
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