Fourcés in der Gascogne
1 - LAGE
Das gaskognische Dorf Fourcés liegt
in der Region Midi-Pyrénées, im
Nord-Westen des Départements Gers, an
der Grenze von Lot-et-Garonne und nicht weit
entfernt von den Landes. Es befindet sich auf
einer Höhe von 88 m, 12 km westlich von Condom,
7 km südlich von Mézin und 6 km
nördlich von Montréal-du-Gers, Hauptort
des Kantons.
Fourcés erstreckt sich im Tal des Flusses Auzoue
zu beiden Ufern auf einer Gesamtfläche von 2373 ha mit einer Bevölkerung
von 270 Einwohnern, ein stilles, friedliches, beinahe unbekanntes Dorf...
2
- ORIGINALITÄT
Ein castelnau wurde bastide...
Ungefähr zwischen dem 10. Jh. und dem 14.
Jh. entwickeln sich im Süd-Westen drei Typen von strukturierten Zusammenballungen.
In chronologischer Folge handelt es sich um sauvetés,
um castelnaux und um bastides,
die man mit Schutzstätten, Befestigungen und Wehrdörfern bezeichnen
könnte.
• Die sauveté (oder Kirchspiel) entstand um eine Kirche, eine Abtei
oder selbst um eine Einkehr auf dem Jakobsweg herum. Sie garantierte den Schutz
durch das Kreuz der eigenen Bewohner und das Asylrecht für die Durchreisenden,
selbst wenn diese Banditen waren. Die durch die sauveté gebotene Zuflucht
war unantastbar. Die Mehrzahl der sauvetés entstanden ungefähr zwischen
1020 und 1150.
• Anschließend entwickelte sich das castelnau (château neuf).
Am Fuß des herrschaftlichen Schlosses (das gleichzeitig schützte
und beherrschte) entstand das Dorf, in eine Einfriedung gedrängt, in das
man nur durch eine befestigte Toranlage gelangte, die häufig von einem
Turm gekrönt war. Die große Mehrheit der heute vorhandenen Dörfer
im Gers haben ihre Wurzel in den Befestigungen aus vergangener Zeit, welche
etwa zwischen 1070 und 1300 errichtet worden sind.
• Schließlich die bastides (aus dem Provenzalischen bastido und
bastir oder bâtir - bauen). Die bastides wurden nach einem sehr regelmäßigen
und geometrischen Stadtplan errichtet : Ausgang ist ein rechteckiger Platz im
Zentrum der cité, an dem sich häufig eine Halle befindet und um
ihn herum Häuser mit Arkaden stehen. Weiter findet man eine rechteckige
inselförmige Anordnung, die durch ein Netz von Straßen und Gäßchen
entsteht. Die bastides sind aus einem zweifachen Willen entstanden : einem politischen
(Verteidigung, fiskalische und demographische Kontrolle) und Profit (Handel).
Es war also eine Sache von Fürsten und Königen (Frankreichs... und
Englands!).
Im ganzen Südwesten findet man ungefähr 350 bastides, die etwa zwischen
1250 und 1330 errichtet worden sind. Die erste war die von Montréal,
der Nachbarstadt von Fourcés, die 1255 gegründet wurde.
Und Fourcés ?
Auf den ersten - aber auch auf den zweiten... - Blick
besitzt Fourcés alle elemente eines castelnau : einen runden Platz und
eine Einfriedung, ein befestigtes Tor, ein Schloß - . Die bastides besaßen
im Normalfall kein Schloß, und auch keine Halle oder einen wie immer gearteten
geradlinigen Grundriß. Akzeptiert man die These, daß einmal ein
einfaches Schloß auf dem kleinen Hügel stand, der heute den zentralen
Platz bildet, wird es wahrscheinlich, daß die Ursprünge von Fourcés
mit der Existenz eines castelnau verbunden sind...
Wahr ist, daß die Häuser mit Arkaden verziert sind, was für
bastides typisch ist, aber diese Architektur stammt aus einer jüngeren
Zeit.
Kann es dann sein, daß Fourcés auf der Ebene der Urbanisierung
nicht bastide war, sich aber in diesen Kriegszeit als bedeutende cité
zum Eingangstor zur Gascogne aus strategischen und politischen Gründen
zur bastide entwickelte? Wer wüßte das zu sagen...?
Um die Geister also zu besänftigen, weshalb nicht dem folgenden Antrag
stattgeben : Fourcés, das castelnau, welches
bastide wurde!
3 - ANFAHRT

Bordeaux / Agen : 133 km
Toulouse / Agen : 109 km
Agen / Fourcés : 46 km
Eauze / Fourcés : 18 km
Condom / Fourcés : 12 km